Bodenspekulation auch im Stadtteil Oberrad


Dass es in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Bodenspekulationen unter anderem im Bankenviertel und im Frankfurter Westend gegeben hat, ist hinlänglich bekannt. Dass dies auch im Frankfurter Randstadtteil Oberrad „dem Gärtnerdorf" versucht wurde, ist weitgehendst unbekannt. Es war eine Spekulation für Wohnungsbau und Bürobauten, die besonders die Existenz der Oberräder Erwerbsgartenbaubetriebe zunichte gemacht hätte. Insbesondere dem damaligen Vorsitzenden der Oberräder Gärtnervereinigung Hermann Jung war es zu verdanken, dass im Zusammenspiel mit der Kommunalpolitik wertvollstes Gartenland im gesamten nördlichen Feld von Oberrad erhalten blieb. Eine ortsnahe S-Bahn-Trasse, der Verlust der Straßenbahnlinie durch den Ortsteil und eine volumenreiche Bebauung vom Oberräder Nordfeld bis zum Kaiserleigebiet an der Stadtgrenze Offenbach sind dem Stadtteil erspart geblieben.
Der damalige Lokaljournalist der Frankfurter Rundschau Rudolf Heinrich Appel hat in seinem Buch „Heißer Boden" die Ereignisse zusammengefasst und seine Texte im Oktober 1974 durch das Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt herausgebracht. Es sind genau 40 Jahre her und somit Anlass, Auszüge aus dem Buch Heißer Boden zur Kenntnis zu geben. Die damaligen Negativbeschlüsse zur Oberräder Bodenspekulation haben bis heute gehalten. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass heute weniger die öffentliche „Grunddienstbarkeit für den Oberräder Erwerbsgartenbau" unsere Acker- und Freiflächen schützt, sondern fluglärmgeplagt die gesetzlich verordnete „Siedlungsbeschränkung" für freie Flächen rund um den Stadtteil. Sie unterbindet neue Planungen auf unseren Feldern, da die Nutzung wegen des Fluglärms unzumutbar wäre.

(Buchauszug von Rudolf Heinrich Appel zum Thema Heißer Boden)

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